Sie befinden sich hier: Aktuell | Pressemitteilungen

Großer Besucherstrom zum Tag der offenen Grabung

Von links: Örtliche Grabungsleiterin Dr. Franka Schwellnus, Bürgermeister Dr. Stefan Naas und Ilse Tesch, Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde e.V. | Foto © Nicole GruberAm Sonntag, 8. Mai 2016, zog es viele Steinbacherinnen und Steinbacher auf das Ausgrabungsgelände an der Sodener Straße / Ecke Niederhöchstädter Straße. Die hessenARCHÄOLOGIE hatte zum „Tag der offenen Grabung“ alle Archäologieinteressierte eingeladen.

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich viele interessierte Bürgerinnen und Bürger, Steinbacher Politikerinnen und Politiker sowie Mitglieder des Vereins für Geschichte und Heimatkunde e.V. ab 11 Uhr ein, um den Ausführungen von Ausgrabungsleiterin Dr. Franka Schwellnus und Dr. Eveline Grönke von der Öffentlichkeitsarbeit der hessenARCHÄOLOGIE zu folgen, welche Einblicke in die Arbeit und Funde, die auf dem Ausgrabungsgelände gemacht wurden, gaben. Auch Tag der offenen Grabung am 8. Mai auf dem Ausgrabungsgelände | Foto © Nicole GruberBürgermeister Dr. Stefan Naas war vor Ort. „Ich verfolge die Arbeiten bereits seit März und stehe in regelmäßigem Austausch über den Verlauf der Arbeiten. Es freut mich sehr, dass in Steinbach Funde aus lang vergangenen Zeiten zu Tage kommen und Informationen über die Geschichte unserer Stadt liefern“, so der Rathauschef.

Einige Grabungsfunde stellte hessenARCHÄOLOGIE auf Tischen unter dem Pavillion am Eingang des Grabungsgeländes aus und Dr. Eveline Grönke stand Rede und Antwort zu den Funden und Hintergründen.

Das Interesse war so groß, dass der erste Besucherstrom in zwei Gruppen über das Ausgrabungsgelände geführt wurde. Dr. Franka Schwellnus und ihr neunköpfiges Team berichteten über den Verlauf der Grabungen und man konnte den Archäologen live bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen.Mitarbeiterinnen der hessenARCHÄOLOGIE bei Ausgrabungen | Foto © Nicole Gruber

Dr. Franka Schwellnus war wenig erstaunt, wenngleich mehr als erfreut über die ungewöhnlich vielen Funde. Das viel zu erwarten war, war bereits vor Ausgrabungsbeginn durch erste Untersuchungen des Geländes klar geworden. Das rund 0,9 Hektar große Gelände wird seit Mitte März untersucht und mehr als die Hälfte der Fläche ist bereits geschafft. In dem Bereich des Geländes, wo die oberste Erdschicht schon abgetragen ist und die Archäologen an mehreren Stellen Löcher gegraben haben, wird geschaufelt, Tag der offenen Grabung am 8. Mai auf dem Ausgrabungsgelände | Foto © Nicole Grubergesammelt, vermessen und zur Archivierung fotografiert. Es wurden Gräber, Gruben, Gefäße und Scherben aus verschiedenen Zeiten gefunden, die Hinweise auf die Zeit der Römer, die sich in dem Gebiet im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus aufhielten, gefunden ebenso wie Hinweise auf die Jungsteinzeit um 5000 bis 2000 vor Christus.

Unter den Funden waren auch römische Gräber mit Spuren von Leichenbrand und mit Amphoren, die als Urnen oder Grabbeigaben gedient haben sowie weitere Gefäße wie Krüge. Das größte Gefäß hat einen Durchmesser von etwa 55 Zentimetern. In einem der Gräber kam sogar ein Gefäß aus Glas zum Vorschein, was äußerst selten ist.

Die Grabfunde wurden teilweise als Blockbergung nach Wiesbaden in die Restaurierungswerkstatt gebracht. Durch das einpacken der Erdblöcke in Frischhaltefolie werden die Funde vor dem Oxidieren geschützt und mit Gipsbinden stabilisiert. Diese eingepackten Blöcke sind in Wiesbaden noch nicht geöffnet worden. Die Forscher hoffen bei der Tag der offenen Grabung am 8. Mai auf dem Ausgrabungsgelände | Foto © Nicole GruberUntersuchung darauf, Eisenspuren zu finden, die eine Gewandnadel zum Vorschein bringen, welche eine genauere Datierung der Funde ermöglicht, denn schon zur damaligen Zeit unterlag die Mode einem starken Wandel.

Die Anordnung der Funde und Gräber lässt zum momentanen Stand darauf schließen, dass die untersuchte Fläche der Friedhof der ehemaligen Villa Rustica, welche in der Nähe des heutigen Aussiedlerhofes oberhalb des Baugebietes lag, war. Wie Dr. Eveline Grönke bei der im Vorfeld stattgefundenen Pressekonferenz erklärte, hatte jeder Gutshof sein Gräberfeld.

Neben den Gräbern wurden noch zwei Gruben mit Öfen, in denen mutmaßlich Brot gebacken oder Getreide geröstet wurde und welche auf die Jungsteinzeit hindeuten, gefunden.

Brandgrab 1 | Foto © hessenARCHÄOLOGIEDurch die Funde und Rückschlüsse auf die Jahre wird deutlich, dass der Flecken Land schon lange bevor Steinbach (Taunus) zur heutigen Stadt wurde, nämlich vor gut 6000 Jahren, zum Leben sehr beliebt war. Der fruchtbare Lössboden und das Wasser ließen unsere Vorfahren schon in der Jungsteinstein, dem sogenannten Neolithikum, hier sesshaft werden.

Großes Interesse an der Ausgrabung hatte auch der Steinbacher Verein für Geschichte und Heimatkunde, der nach den Grabungen auf ein paar Ausstellungsstücke für Ihre Sammlung hofft. Die Funde gehen jedoch zunächst in den Besitz des Landes über. Funde aus früheren Jahren, die ebenfalls auf die Jungsteinzeit hindeuten, sind bereits im Heimatmuseum zu bestaunen, wie die Vorsitzendes des Vereins, Ilse Tesch, berichtet.

Brandgrab 2 | Foto © hessenARCHÄOLOGIEDie Grabungsarbeiten werden bei Verdacht auf Funde angeordnet und sind von der Kommune zu tragen. Der Einsatz der Archäologen wird sich auf rund 110.000 Euro belaufen, welche bis zu 148.000 Euro ansteigen können und zu denen noch 35.000 Euro für den Einsatz eines Spezialbaggers hinzukommen werden.

Der Zeitplan der Baumaßnahme am „Alten Cronberger Weg“ wird sich laut Stadt und Landesbehörde trotz der Funde und Ausgrabungsmaßnahmen nicht verzögern. Die Erschließungsarbeiten sollten am 6. Juni beginnen, vier Monate andauern und teilweise parallel zu weiteren Arbeiten der Archäologen laufen.

Ausgrabungsfunde werden von Frau Dr. Eveline Grönke, Öffentlichkeitsarbeit der hessenARCHÄOLOGIE, erklärt  Foto © Nicole GruberIm zukünftigen Baugebiet ist eine Hinweistafel angedacht, die auf die Geschichte des Areals hinweist. Bei den künftigen Straßennamen möchte Naas ebenfalls auf die Historie hinweisen. Einen denkbaren Vorschlag nannte Eveline Grönke bereits bei der Pressekonferenz: Zum Römischen Gutshof.

Fotos zum „Tag der offenen Grabung“ finden Sie in der Bildergalerie auf der städtischen Homepage unter www.stadt-steinbach.de.

 

ANSPRECHPARTNERIN

Büro des Bürgermeisters /
Öffentlichkeitsarbeit
Frau Nicole Gruber

 

BILDERGALERIE