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Sonnige Oktobertage bei Sankt Martin

Fluss Vienne mit Schloss Chinon | Foto © Reinhard WicherAm 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit traten 40 Steinbacherinnen und Steinbacher und einige junge Beteiligte aus Nachbarorten die lange Busreise in die Partnerstadt Saint Avertin an. Die französischen Partner hatten Beiträge zu einer „Deutschen Kulturwoche“ erbeten. Es wurde Kulturaustausch im besten Sinne. Jede Seite gab ihr Bestes. Die gemeinsamen sonnigen Oktobertage standen im Zeichen des Heiligen Martin, der im 4.Jahrhundert Bischof von Tours und einflussreicher Missionar war. Seine Grabstätte, eine stilvolle Gedächtnisbasilika in Tours und die Wallfahrtskirche an seinem Sterbeort Candes St.Martin wurden besucht.

 Der Beitrag Steinbachs zu dieser Woche des Kulturaustauschs bestand aus einem Stand auf dem Wochenmarkt mit hessischen Produkten, Handball-Freundschaftsspielen und drei kulturellen Abendprogrammen. Zu Beginn eine Lesung ausgewählter Kapitel aus Daniel Kehlmanns teils fiktionaler Doppelbiographie von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß “Die Vermessung der Welt”. Nach einer Einführung von Manfred Gönsch lasen Jochem Entzeroth, Margit Gönsch und Reinhard Wicher und fünf französische Leserinnen und Leser Passagen, die die sehr verschiedenen Charaktere und die großen wissenschaftlichen Leistungen , besonders das mathematische Genie von Gauß lebendig werden ließen. Am zweiten Abend wurde der Film “Goodbye Lenin” von Wolfgang Becker mit Katrin Sass und Daniel Brühl in zweisprachiger Fassung gezeigt. Beide Veranstaltungen fanden eine gute Resonanz.

Gäste und Freunde vor dem Schloss Chambord | Foto © Reinhard WicherDen Schlusspunkt bildete ein brillant gespieltes Kammerkonzert eines jungen Streichquartetts um den Steinbacher Musiker Malte Bechtold. Seine Mitspieler waren Bernhard Plechinger und Tillmann Noble, Violine und Johannes Ehinger, Violoncello.  Sensibel und expressiv spielten die vier Musiker das “Vogelquartett” von Joseph Haydn, die “O Du lieber Augustin – Variationen” des modernen Frankfurter Komponisten Friedrich Zipp, ein “Lullaby” (Wiegenlied) von George Gershwin und als romantischen Abschluss das Streichquartett Nr.2 in A-moll op.13 von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Als Zugabe spielten die Vier mit dem befreundeten ukrainischen Akkordeonisten Dimitri Oliinychenko einen Tango von Astor Piazzolla. Die ca. 200 Konzertbesucher waren begeistert von dem Konzert und gaben standing ovations.

An zwei Tagen fanden Freundschaftsspiele der TuS – HSG B-Jugendmannschaft gegen französische Partner der SAS-Handballjugend statt. Die Steinbacher schlugen sich wacker, die Franzosen erwiesen sich freilich als überlegen. Das letzte Spiel ging 31 : 25 zu ihren Gunsten aus, was die Spielfreude der deutschen Jugendlichen nicht beeinträchtigte.Unsere Handball B-Jugend mit Spielern der SAS Saint Avertin | Foto © Reinhard Wicher

Die französischen Partner boten eine großzügige Gastfreundschaft, attraktive Ausflüge und eine perfekte Organisation. Sie luden zum Auftakt am 04.10. die Besucher aus Steinbach  zu einer Stadtführung durch das benachbarte  historische Tours ein, seit der Zeit der Römer und Franken ein Regionalzentrum. Im Jahr 371 wählten die Bürger den Mönch und Missionar und späteren Heiligen Martin zum Bischof. Seine Grabstätte war schon zur Römerzeit ein Nationalheiligtum. Der Besuch der stilvollen Gründerzeit- Basilika, der heutigen Wallfahrtsstätte um Martins Reliquien, war Höhepunkt der Stadtführung. Tours war von 1461 – 1547 Hauptstadt Frankreichs und Residenzstadt der Könige Ludwig  XI. und Franz I. Die Stadt hat repräsentative Gebäude aus allen Epochen.

Am 05.10. Vormittags wurde eine Führung durch ein Werk der bekannten Marken St. Michel und Bonne Maman für Plätzchen, Teegebäck und Konfitüren  geboten.

Es folgte ein exzellentes Mittagessen in einem stilvollen Landgasthof. Der Nachmittag war dem Besuch von Chambord gewidmet, dem monumentalen Königsschloss, begonnen 1519 in der Renaissance von Franz I. und vollendet unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. über 150 Jahre später. Chambord ist das größte der Loire Schlösser, wurde nur kurze Zeit bewohnt und diente vor allem der repräsentativen Prachtentfaltung.  Es vermittelt einen einmaligen großartigen, freilich kalten Eindruck.

Dr. Stefan Naas dankt den Gastgebern | Foto © Reinhard WicherDer 06.10.begann mit einem ländlichen Ausflug , zunächst zu  einem Panoramapunkt mit Blick über die Mündung des Nebenflusses Vienne in die Loire, beide Flüsse naturbelassen frei fließend. Am Fuss des Hügels lag die Abteikirche Candes, gebaut im 16. Jahrhundert an dem Ort, an dem  der Heilige Martin 394 gestorben war. Ein vielbesuchter Wallfahrtsort wie die St. Martins/Basilika in Tours. Es folgte eine Picknick im Sonnenschein auf einer Flussaue an der Vienne mit Blick auf das hochgelegenen wehrhafte Schloss von Chinon, danach ein Bummel durch die schöne Altstadt mit ihren Renaissance-Bürgerhäusern. Der Ausflug endete mit einem Besuch bei dem Winzer Philippe Pain, dessen rote Chinon–Weine alljährlich von den Freunden aus St.Avertin auf dem Steinbacher Weihnachtsmarkt angeboten werden und ihr beliebtestes Produkt sind.

Die Woche endete mit einem Freundschaftsessen mit deutschen Gerichten ; so kamen ein gekonnt angemachter Handkäs und die Grüne Soße gut an. Der mitgereiste Akkordeonsolist Dimitri trug mit  bekannten heiteren Weisen zur Stimmung bei. Zu seinen französischen Walzern wurde spontan gesungen und getanzt. 

In kurzen Reden würdigten die beiden Bürgermeister die nun mehr als 35 Jahre alte lebendige Städtepartnerschaft und stellten sie in den Kontext der deutsch-französischen Partnerschaft in Europa.

 

Reinhard Wicher