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Tief im Taunus

Von Gregor Maier

Eine verschenkte Stadt: So begann die offizielle Geschichte von Steinbach. Nun feiert einer der ältesten Taunus-Orte 1225. Geburtstag.


Herzlichen Glückwunsch, liebe Stadt Steinbach, zum „halbrunden“ Geburtstag – 1225 Jahre gilt es zu feiern! Am 14. September 789 wirst du zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, als du dem Kloster Lorsch geschenkt wurdest. Als Geschenk trittst du also ins Licht der Geschichte – schöner könnte es doch kaum beginnen. Freilich ist das mit dem Geburtsdatum so eine Sache: Dass du damals verschenkt wurdest, heißt ja, dass es dich schon gegeben haben muss. Du bist also wohl noch ein paar Jährchen älter, aber das wollen wir – erst recht bei einer Dame – nicht allzu genau nehmen. Außerdem hast du dir ja vor 40 Jahren zwischenzeitlich den Slogan „Die junge Stadt der offenen Herzen“ zugelegt – das zeigt, dass du dich auf jeden Fall immer noch jung fühlst.
 

Du bist einer der ältesten Orte im Taunus – was du nicht alles erlebt hast in deinen Jahrhunderten! Dein Aussehen jedenfalls hat sich seither ganz schön gewandelt. Immerhin begleitet dich die Georgskirche, dein ältestes Gebäude, auch schon seit vielleicht 800 Jahren. Dass du als Geschenk zur Welt gekommen ist, scheint im Rückblick geradezu typisch für deine Geschichte: Du hast so viele Herrschaftswechsel hinter dir, dass es sich gar nicht mehr lohnt, sie zu zählen – mal wurdest du geschenkt, mal verpfändet, mal verkauft, mal getauscht, mal als Kriegsergebnis oder Verwaltungsakt schlicht zugewiesen. Deinen Einwohnern dürfte es leidlich egal gewesen sein, ob sie ihre Steuern nun nach Königstein, nach Hanau oder nach Darmstadt entrichten mussten. Zuletzt – 1947 – kamst du vom Landkreis Offenbach hierher in den damaligen Obertaunuskreis und bist damit auch politisch wieder dort, wo du geographisch ohnehin hingehörst: im – oder genauer: am – Taunus.
 

Du hast Kriege überstehen müssen und Festtage erlebt. In den fortschrittseuphorischen 60er Jahren hat man dir zugemutet, innerhalb kürzester Zeit vom Dorf zur Stadt zu wachsen, eben zur „jungen Stadt der offenen Herzen“. Obwohl Frankfurt dich damals gern geheiratet hätte, bist du standhaft geblieben. Es liegt mir fern, dich als alte Jungfer zu bezeichnen, aber da du im Gegensatz zu deinen Nachbarn so lange Zeit zu anderen Herrschaften gehört hast, trete ich dir hoffentlich nicht zu nahe, wenn ich sage, dass du stets lieber für dich geblieben bist.
 

Also: Herzlichen Glückwunsch, bleib, wie du bist, und alles Gute für die nächsten 1225 Jahre!