Sie befinden sich hier: Rathaus | Bürgermeister

Rede von Dr. Stefan Naasanlässlich seiner Einführung in die zweite Amtszeit als Bürgermeister am 19.Oktober 2015

Liebe Bürgerinnen und Bürger Steinbachs,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Steinbacher Verwaltung,
verehrte Ehrengäste, Freunde, Unterstützer,
liebe Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Von links: Erste Stadträtin Claudia Wittek, Bürgermeister Dr. Stefan Naas und Stadtverordnetenvorsteherin Gabriele Eilers | Foto © Nicole Gruberich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, die freundlichen Worte und Grußworte anlässlich meiner zweiten Amtszeit. Wie vor genau sechs Jahren ist mir etwas flau im Magen, man wird unsicher bei so viel Lob und guten Reden.

Vor sechs Jahren war das genauso. Als ich damals in das neue Amt eingeführt wurde, wusste ich nicht, was auf mich zukommt.

Politische Erfahrung hatte ich genug, aber in der Stellenausschreibung stand nicht, dass ich als

  • Versteigerer von Fundsachen,

  • als Büttenredner, Faß-Anstecher, Reiseführer,

  • Traktorfahrer mich bewähren musste,

  • für Waldwirtschaft, Geburten, Einbürgerungen, Hochzeiten, Beerdigungen, Einweisung von Asylbewerbern und Obdachlosen und für streunende Katzen zuständig bin.

  • Ich sollte Blutspenden und Briefmarkenausstellungen eröffnen, später den Pokal für das beste Rassejungtier bei den Hühnern übergeben.

  • Und dann Ratten in der Kanalisation, Mäuse im Kindergarten, Bordelle in der Bornhohl und Spielhallen im Gewerbegebiet bekämpfen.

  • Dazu kommen dann - zum Glück selten - Großbrände von öffentlichen Gebäuden und leider häufig - Streit in Nachbarschaftsangelegenheiten.

  • Die Spitze der Anforderung: Die Regelung des Verkehrs in Steinbach! – Eine Herkulesaufgabe!

Foto © Nicole GruberEs ist das pralle Leben, das sich in diesem Beruf findet. Viele sagen, es sei der schönste Beruf der Welt. Das stimmt zum guten Teil. In keinem anderen Beruf hat man diese direkten Möglichkeiten der Einflussnahme, diesen Gestaltungsspielraum. Manche Entscheidung trifft man einsam, die meisten - zum Glück - mit vielen anderen.

So habe ich die letzten sechs Jahre fast jedes Verkehrsschild der Stadt kennen gelernt. Der Kollege Thomas Horn, früherer Bürgermeister aus Kelkheim, hat mir einmal gesagt, er könne schon am Handschlag des Bürgers erkennen, was dieser von ihm wolle. Nach der dritten Amtszeit habe er die Antwort auf die Fragen der Bürger gewusst, bevor diese sie gestellt haben.

 

Meine Damen und Herren,

Gesangverein Frohsinn 1841 Steinbach (Taunus) e.V. | Foto © Nicole Gruberso weit bin noch lange nicht. Erwarten Sie nicht zu viel für die zweite Amtszeit. Ich kann noch immer keine Wunder vollbringen, ich mache weiter Fehler und ich mache es auch sicher in den nächsten sechs Jahren nicht allen recht. Ich bleibe der alte. Sie werden mich deshalb auch weiterhin beim Bäcker im dunkelblauen Kapuzen-Sweatshirt antreffen und ich fahre weiter den alten Golf mit den Schrammen aus der Tiefgarage des Landratsamtes. Das Amt hat mich geschliffen, ja, auch abgeschliffen. Aber die Arbeit macht mir nach wie vor Spaß und ich bin gerne für Steinbach, meine Heimatstadt und seine Bürgerinnen und Bürger engagiert.

Warum das so ist? Das hat mit drei Dingen zu tun:

  1. Dem Rückhalt in der Verwaltung. Ich habe mich auf die Loyalität der Kolleginnen und Kollegen immer verlassen können, obwohl ich ihnen einiges zugemutet habe:Kürzung der freiwilligen Leistungen, Stellenstreichungen, sogar betriebsbedingte Entlassungen.

    Wir haben weiß Gott heute eine schlanke Verwaltung in Steinbach - wo es auf jeden ankommt. Wir haben hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – viele könnten in der Wirtschaft viel mehr verdienen. Aber wir sind in Steinbach eine große Familie - und wir bewegen viel. Steinbach hat stark aufgeholt in den letzten Jahren dank dieser Mannschaftsleistung.
     

  2. Genauso wichtig ist der Rückhalt in der Bürgerschaft. Ich wollte immer für alle ein offenes Ohr haben. Ja, natürlich freut man sich über Lob. Aber es ist auch Vorsicht geboten. Im Amt bekommt man nicht mehr immer die Wahrheit gesagt. Dem Bürgermeister wird nicht widersprochen, daran gewöhnt man sich schnell. So genau weiß man nie, ob der Bürger mit der aktuellen Politik auch wirklich einverstanden ist. Deshalb war die Wahl am 31. Mai dieses Jahres - auch ohne Gegenkandidat - eine wichtige Rückversicherung. 87 % ist ein gutes Ergebnis. Das gibt neuen Mut und zusätzliches Selbstvertrauen.

    Ich danke allen, die mir am 31. Mai ihre Stimme gegeben haben. Ich will alles dafür tun, diesem Vertrauen auch in den nächsten sechs Jahren gerecht zu werden.
     

  3. Schließlich: Sie brauchen auch den Rückhalt in der Politik. Es nützt nichts gewählt zu sein, Elan und gute Ideen zu haben, wenn es dafür keine Mehrheit im Parlament gibt. Deshalb gilt mein Dank all denen, die mich die letzten Jahre unterstützt haben. Das sind die Steinbacher Liberalen, mit Lars Knobloch und Astrid Gemke an der Spitze. Aber auch Claudia Wittek unsere Erste Stadträtin. Auf die liberale Familie ist Verlass.

    Mein Dank gilt auch den Steinbacher Christdemokraten, die seit fast 15 Jahren als größte Fraktion im Stadtparlament eine stabile Koalition mit der FDP bilden. Bei meiner ersten Wahl sind damals die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und FDP in der Stichwahl aufeinandergetroffen. Und die Koalition hat das überstanden und arbeitet bis heute sehr erfolgreich. Das ist einmalig. Das ist auch Ihr Verdienst, liebe Frau Eilers, und das von Holger Heil – und dafür danke ich Ihnen heute herzlich.


    Meine Damen und Herren,

    Akkordeonverein Steinbach Oberursel e.V. | Foto © Nicole Gruberwir haben ein gutes Miteinander in Steinbach und eine hervorragende politische Kultur. Und deshalb geht mein Dank heute auch an Jürgen Galinski und Hadmut Lindenblatt als Oppositionsführer.

    Ich sehe das deutlich an unseren Nachbarstädten, wie wichtig der Stil des Umgangs ist. Die Opposition hat in Steinbach großen Einfluss. Rote und grüne Vorschläge werden oft schon im Verwaltungsentwurf des Haushaltes berücksichtigt. Wir mögen uns und gehen respektvoll miteinander um. Und wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn ein SPD oder Grünen-Antrag die Mehrheit im Stadtparlament findet. Das ist im Kreistag anders.

 

Meine Damen und Herren,

gemeinsam haben wir in den letzten sechs Jahren vieles erreicht. Beispielhaft seien nur vier Punkte genannt:

  • Die Schulden sind gesunken – wir haben rund 4 Millionen Euro weniger Schulden.

  • Wir sind in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen worden. Schon in den nächsten Tagen werden wir wieder eine große Zuwendung aus Wiesbaden erhalten.

  • Neben der Sanierung der Bahnstraße konnten wir über 6 Millionen in die Infrastruktur investieren!

  • Den Brand des Bürgerhauses haben wir gemeinsam gemeistert und sind zusammengerückt.

     

Meine Damen und Herren,

schwierige Zeiten liegen hinter uns und die Herausforderungen werden nicht kleiner. Und damit bin ich bei meinem Ausblick:

Meine Damen und Herren,

  1. Wir müssen bei den Finanzen Steinbachs weiter aufpassen, sonst werden wir die Selbständigkeit nicht erhalten.

  2. Wir müssen weiter investieren, um die Attraktivität unserer Stadt zu erhalten. Steinbach hat eine exzellente Lage und wird weiter wachsen.

    Wenn derzeit der günstige Wohnungsbau in aller Munde ist, sage ich auch, wir müssen schonend mit unseren Grünflächen umgehen. Früher haben viele gesagt, es darf in Steinbach nicht mehr gebaut werden. Ich habe dagegen schon immer die Auffassung vertreten, dass jede Stadt maßvolles Wachstum braucht. Heute sagen viele, wir müssen mehr bauen. Da sage ich: Das stimmt, aber wir müssen weiter auf die Qualität achten.

    Meine Damen und Herren,
     

  3. Die größte Herausforderung in den nächsten Jahren, ist die soziale Frage - die Integration der vielen Migranten und Flüchtlinge in Steinbach.

Sozialpolitik ist schon deshalb von zentraler Bedeutung, weil schon jetzt über 12 % der Steinbacher von Sozialhilfe leben. Es ist sogar jeder achte Steinbacher. Damit sind wir Spitzenreiter im Hochtaunuskreis - mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt des Kreises. Bei ausländischen Bürgern und Kindern ist diese Zahl noch dramatischer.

  • Knapp 30 % der Steinbacher ohne deutsche Staatsbürgerschaft leben von Sozialhilfe.

  • In den städtischen Kindertagesstätten erhalten über 40 % aller Kinder die Kindertagesstättengebühren vom Kreissozialamt bezahlt, der Anteil der ausländischen Kinder liegt bei über 50 %!

Das sind deutliche Zahlen! Deshalb ist die soziale Frage in Steinbach entscheidend und ich bin froh, dass wir mit dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ eine Riesen-Chance haben, wenn es darum geht, zukünftig Beratung und Betreuung auszubauen und zu finanzieren.

 

Meine Damen und Herren,

Von links: Gregor Maier, Oliver Klink, Steinbachs Bürgermeister Dr. Stefan Naas, Michael Trapp und der Königsteiner Bürgermeister Leonard Helm | Foto © Nicole Gruberam wichtigsten ist es, das Problem bei der Wurzel zu packen, anstatt später Symptome zu kurieren. Wir müssen zukünftig stärker in Bildung investieren. Wir müssen unsere bestehenden Bildungseinrichtungen besser vernetzen. Bildung beginnt in den städtischen Betreuungseinrichtungen, beinhaltet das Projekt „Mama lernt Deutsch“ an der Schule, die Hausaufgabenhilfe und die Ausbildungsförderung der Caritas, die Arbeit der Steinbacher Stadtbücherei und reicht bis zu den Kulturausflügen für Seniorinnen und Senioren des Kultur- und Partnerschaftsvereins.

Bildung ist das Gebot der Stunde – insbesondere auch zur Integration von Flüchtlingen und Migranten.  Bildung ist der Schlüssel zur Integration, zu Wohlstand und persönlicher Freiheit.

 

Meine Damen und Herren,

und zu einer erfolgreichen Integration in unsere Gesellschaft braucht es alle. Vereine, Kirchen, Parteien, Sozialverbände und auch die Stadt.

Steinbach hat jährlich bis zu 800 Zu- und Wegzüge. In 12 Jahren ist die Bevölkerung statistisch gesehen einmal ausgetauscht. Deshalb ist es wichtig, dass wir schnell eine Identifikation unserer Neubürgerinnen und Neubürger mit der Gemeinde schaffen.  Und da sind die ehrenamtlich geführten Vereine entscheidend. Die Ehrenamtlichen sind das Wertvollste, was wir haben – das Salz in der Suppe. Gerade unser Arbeitskreis „Flüchtlingshilfe“ leistet dieser Tage hervorragende Arbeit mit den ehrenamtlichen Deutschkursen.  Jede Vereinsarbeit ist wertvoll, weil dort Freundschaften, Bindungen und Kontakte entstehen. Hier wird Heimat geschaffen. Die kann man nirgendwo kaufen – die ist einmalig.

Es sind am Ende immer die Menschen, die eine Stadt prägen. Wir in Steinbach sind eine offene, aktive Stadtgesellschaft. Deshalb mein Appell: Engagieren Sie sich weiter für Steinbach, in den Vereinen, im Quartiersbeirat „Soziale Stadt“ oder den städtischen Gremien. „Denn wer nichts für andere tut, tut nichts für sich.“

 

Meine Damen und Herren,

ich danke den Mitwirkenden des Gesangvereins Frohsinn 1841 Steinbach (Taunus) e.V. und des Akkordeonvereins Steinbach Oberursel e.V. für Ihre musikalischen Beiträge. Mein Dank gilt auch den Organisatoren des heutigen Abends, insbesondere meiner Kollegin Frau Schmidt für die Vorbereitung des heutigen Abends. Liebe Frau Schmidt, was wäre ich ohne Ihr Organisationstalent!

 

Meine Damen und Herren,

Steinbach ist eine wunderbare Stadt mit einer großartigen Bürgerschaft. Ich freue mich auf die nächsten sechs Jahre der Zusammenarbeit mit Ihnen,  danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche uns allen noch einen schönen Abend.

Vielen Dank!