Die Entwicklung des „Kulturhofs“ in der Alten Dorfmitte
Die Neugestaltung der Alten Dorfmitte nimmt weiter Gestalt an: Für den Bereich Bornhohl/Kirchgasse am Freien Platz hat die Stadt Steinbach (Taunus) im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ einen europaweiten
Architekturwettbewerb ausgelobt. Ziel ist die Entwicklung eines lebendigen, identitätsstiftenden und multifunktionalen
Ensembles – des sogenannten „Kulturhofs“. Nun stehen drei Entwürfe in der engeren Auswahl.
Das Interesse an dem Wettbewerb war groß: 121 Architekturbüros hatten sich europaweit für eine Teilnahme beworben, 15 davon wurden anschließend ausgelost, elf reichten schließlich einen Entwurf ein. Eine hochkarätig besetzte Jury aus
Architektinnen und Architekten, Stadtplanung, Politik und Bürgerschaft wählte daraus drei Vorschläge aus. Den ersten Preis erhielt das Büro MGF Architekten aus Stuttgart. Der zweite Preis ging an die Architekten Trint + Kreuder d.n.a. aus Köln,
gefolgt von Architektur 109 (Stuttgart). Damit ist die endgültige Entscheidung über die Vergabe des Auftrags jedoch noch nicht gefallen; diese soll im weiteren Verfahren bis zum Jahresende getroffen werden.
1. Preis:

Mit dem Kulturhof soll die historische Dorfmitte gestalterisch und funktional aufgewertet und als Ort der Begegnung gestärkt werden. Im Mittelpunkt steht die neue Stadtbücherei, die künftig deutlich mehr Raum und Möglichkeiten bieten soll. Ebenfalls sollen die Kulturabteilung der Stadtverwaltung, die Volkshochschule und das Heimatmuseum in das Ensemble integriert
werden. Das Heimatmuseum befindet sich derzeit im Keller des historischen Backhauses, das weder barrierefrei noch mit zeitgemäßen sanitären Anlagen ausgestattet ist.
Vorgesehen ist, die vorhandene historische Bausubstanz behutsam weiterzuentwickeln und mit zeitgemäßer Architektur zu verbinden. Bestandteil der Planungen sind neben der heutigen Stadtbücherei und dem historischen Backhaus ebenso das leerstehende Wohnhaus in der Kirchgasse 3 sowie die ehemalige Scheune, deren Dachstuhl im Jahr 2019 eingestürzt war. Der Abriss des Wohnhauses aus den 1950er-Jahren ist in allen drei Entwürfen vorgesehen. Dadurch soll unter anderem eine neue Blickachse auf die historische St.-Georgskirche entstehen.
Die drei Arbeiten unterscheiden sich insbesondere bei der Anordnung und Gestaltung der einzelnen Gebäude sowie bei der Frage, wie stark historische Strukturen aufgegriffen oder durch neue Architektur ergänzt werden. Gemeinsam ist allen
Entwürfen das Ziel, die verschiedenen öffentlichen und kulturellen Nutzungsmöglichkeiten räumlich miteinander zu
verknüpfen und die Alte Dorfmitte als zusammenhängenden Ort zu stärken. Auch eine Begrünung des gesamten Bereichs ist vorgesehen.
Die neue Stadtbücherei soll dabei mehr sein als ein Ort zur Ausleihe von Büchern. Sie soll als eine Art „Dritter Ort“ – neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz – Möglichkeiten für Bildung, Begegnungen oder einfach nur zum angenehmen Aufenthalt schaffen. Denkbar sind beispielsweise Bereiche zum Lesen und Lernen, Angebote für Kinder und Jugendliche
sowie Räume für gemeinschaftliche Aktivitäten. Auch Co-Working-Angebote und attraktive Außenbereiche wie ein Lesegarten oder eine Dachterrasse sind in einzelnen Entwürfen vorgesehen. „Die Alte Dorfmitte soll ein offener und niedrigschwelliger Ort für Kultur, Bildung und Begegnung für die Stadtgesellschaft werden“, betont Bürgermeister Steffen Bonk. Durch die
Zusammenführung verschiedener Einrichtungen sollen Synergien entstehen, Besucherströme gebündelt und das Quartier insgesamt belebt werden.
Die Entwicklung der Alten Dorfmitte ist Teil des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“, in das Steinbach Ende 2020 aufgenommen wurde. Insgesamt sollen rund drei Millionen Euro für das Dorfmitte-Projekt investiert werden. Zwei Drittel der Kosten können durch Fördermittel von Bund und Land finanziert werden, ein Drittel trägt die Stadt Steinbach.
Alle drei Siegerentwürfe können von interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Foyer des Bürgerhauses besichtigt
werden - die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober geöffnet. Die Entwürfe sind außerdem auf der Internetseite der Stadt
Steinbach einsehbar ( Kulturhof | Startseite ). Die Bürgerinnen und Bürger dürfen sich gern an der Namensfindung für das Projekt beteiligen – „Kulturhof“ ist zunächst nur ein Arbeitstitel.
Nach Abschluss des Vergabeverfahrens soll der Magistrat über die Beauftragung entscheiden. Anschließend kann die weitere Planung beginnen. Nach derzeitiger Einschätzung könnte mit den Bauarbeiten im Jahr 2028 begonnen werden. Die
Fertigstellung des neuen Zentrums wird für Ende 2029 / Anfang 2030 angestrebt.



