Klima schützen und Heizkosten sparen ohne zu frieren
In einer Artikelserie in lockerer Folge stellt die IG Nachhaltigkeit in Steinbach (Taunus) kleinere oder größere Nachhaltigkeitsmaßnahmen vor, die von Steinbacher Bürgerinnen und Bürgern in ihrem privaten Umfeld schon erfolgreich umgesetzt wurden und in geeigneten Fällen auch breiter eingesetzt werden können.
Ungefähr 15% des CO2-Ausstoßes in Deutschland entfallen auf den Heizungssektor. Eine Heizung ist in hiesigen Breitengraden im Winter natürlich unabdingbar, aber unabhängige Untersuchungen zeigen, dass fast 80% aller Heizungen, egal ob Öl, Gas oder Wärmepumpe, suboptimal eingestellt sind und daher zu unnötig hohem CO2-Ausstoß führen. Egal ob Mieter oder Eigentümer, hier kann fast jeder etwas dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und damit das Klima zu schützen, ohne dass man deshalb frieren muss.
Das hat auch Familie Heidebrecht aus Steinbach zum Anlass genommen, die Heizungseinstellungen in ihrem Einfamilienhaus zu überprüfen und zu optimieren. Joachim Heidebrecht beschreibt die Aufgabe so „Letztendlich geht es darum, dass die Heizung das Heizwasser nur genau so hoch erhitzen muss, dass es in jedem Raum bei voll geöffneten Heizkörperventilen gerade angenehm warm wird“. Bei den meisten Heizungen wird das Heizwasser tatsächlich viel höher erhitzt und die Zimmertemperaturen dann durch die Heizkörperventile wieder runtergeregelt – das ist aber laut Joachim Heidebrecht „reine Energieverschwendung“. Nach seiner Erfahrung ist es mit etwas technischem Sachverstand und Geduld durchaus möglich, die Heizungseinstellungen selber zu optimieren, ansonsten sollte man sich besser an einen Heizungsfachbetrieb wenden.
Am Anfang der Optimierung steht der sogenannte „hydraulische Abgleich“. Hierdurch wird der Durchfluss der einzelnen Heizkörper so einreguliert, dass jeder Raum genau so viel Wärme bekommt, wie er für ein angenehmes Raumklima benötigt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im zweiten Schritt wird dann die Heizkurve in der zentralen Heizungssteuerung so eingestellt, dass die Anlage auch bei unterschiedlichen Außentemperaturen immer genügend Wärme bereitstellt, bei niedrigen Außentemperaturen also mehr als an milden Tagen. Das ist laut Joachim Heidebrecht auch der Schritt, der etwas Geduld erfordert, denn dafür muss man die Einstellungen bei unterschiedlichen Außentemperaturen gegebenenfalls. nachjustieren.
Egal ob Eigentümer oder Mieter, den dritten Schritt der Optimierung kann fast jeder machen: Wenn die oben beschriebenen Grundeinstellungen richtig erfolgt sind, dann könnte im Prinzip jeder Raum der Wohnung jederzeit angenehm warm beheizt werden. Tatsächlich muss aber gar nicht jeder Raum jederzeit warm sein. Viele Menschen schlafen nachts bei niedrigeren Temperaturen viel besser als bei normaler Raumtemperatur und auch in Vorratskammern ist kühler meist besser. Im Bad reicht es oft, wenn es nur morgens und abends für zwei Stunden richtig wohlig warm ist. Und wenn die Wohnung tagsüber berufsbedingt, oder während des Urlaubs auch längere Zeit ohnehin leer steht, auch dann kann man die Zimmertemperaturen ohne Komforteinbuße zeitweise runterregulieren. Sehr praktisch sind dafür Thermostatventile, mit denen man in jedem Raum unterschiedliche Wunschtemperaturen einstellen kann. „Uns reichen bei Anwesenheit normalerweise 20 Grad Raumtemperatur, also Thermostatstufe 3. Nur wenn wir den ganzen Tag im Homeoffice am Computer sitzen, drehen wir den Thermostat manchmal etwas mehr auf“ berichtet Joachim Heidebrecht. Noch einfacher geht es mit digitalen Heizkörperventilen, bei denen man die Raumtemperaturen für jeden Wochentag auch stundenweise einzeln programmieren und teilweise sogar aus der Ferne über eine App steuern kann. Die kann sehr hilfreich sein, wenn man beispielsweise beim Urlaubsstart vergessen hat, die Heizung runter zu regeln.
Zusätzliche Einsparmöglichkeiten gibt es für Haushalte bei denen die Heizung auch für die Warmwasserbereitung genutzt wird – auch hier sind oft viel zu hohe Temperaturen eingestellt; einmal pro Woche sollte das Wasser allerdings zur Legionellen-Prävention auf mindestens 60°C erhitzt werden.
„Wir konnten unseren Heizenergieverbrauch durch die vorgenommenen Optimierungen um ca. 20% senken, und das schlägt sich nicht nur positiv in unserem CO2-Fußabdruck, sondern auch in unserer jährlichen Energierechnung nieder“ freut sich Joachim Heidebrecht über diese Win-win-Konstellation.
Die IG Nachhaltigkeit hat für technisch versierte Bürgerinnen und Bürger eine Arbeitshilfe zur Optimierung der Heizungseinstellungen erstellt, die per E-Mail an ig-nachhaltigkeit@stadt-steinbach.de angefordert werden kann. Wer technisch weniger versiert ist, sollte die Einstellungen besser durch einen Heizungsfachbetrieb prüfen und optimieren lassen.



