„Gemeinsam laufen, sicher ankommen“

Der Laufbus ist in Steinbach (Taunus) angekommen – und er fährt nicht. Er hat keinen Motor, keine Räder und keinen Fahrer, dafür aber neun Haltestellen, feste Treffzeiten und hoffentlich bald viele „Fahrgäste“, die keinen Meter fahren, sondern gemeinsam zur Schule laufen.

Am Donnerstag, 27. August 2026, wurden die neuen Laufbus-Haltestellen in Steinbach (Taunus) offiziell eingeweiht. Im Mittelpunkt stand dabei die Haltestelle am Freien Platz, die neben dem Haltestellenschild auch mit einer auffälligen Bodenmarkierung ausgestattet ist.

Bürgermeister Steffen Bonk begrüßte die Anwesenden und übergab anschließend das Wort an Quartiersmanagerin Bärbel Andresen vom Stadtteilbüro „Soziale Stadt“. Bei der Einweihung dabei waren außerdem Erster Stadtrat Lars Knobloch, Stadtrat Jürgen Euler, Bengt Köslich vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), Ursula Kitzinger und Navel Ghodbane von der IG Familien, Schulrektorin Christine Sturm, Elternbeirätin Gülsah Bayram Duymaz, Verbindungslehrer und Leiter der Schülervertretung Alexander Portsche, sowie die Klassensprecherinnen und Klassensprecher der Klassen 2, 3 und 4.

„Mit dem Laufbus setzen wir gemeinsam ein Zeichen für mehr Bewegung, mehr Selbstständigkeit und vor allem für einen sicheren Schulweg unserer Kinder. Ich freue mich sehr, dass aus einer Idee von engagierten Bürgerinnen und Bürgern inzwischen ein konkretes Projekt geworden ist, das von vielen Beteiligten getragen wird“, so Bürgermeister Steffen Bonk.

Erster Stadtrat Lars Knobloch ergänzt: „Wenn ich meiner Mutter damals gesagt hätte, sie solle mich mit dem Auto zur Schule fahren, hätte sie wahrscheinlich gedacht, ich mache einen Witz. Für uns war es selbstverständlich, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Genau diese Selbstständigkeit und das gemeinsame Unterwegssein mit Freundinnen und Freunden möchten wir mit dem Laufbus wieder stärker in den Alltag unserer Kinder bringen. Gleichzeitig geht es heute natürlich auch um die Sicherheit auf dem Schulweg und darum, den morgendlichen Autoverkehr rund um die Schule zu reduzieren.“

Im Februar 2025 wandte sich Bengt Köslich vom ADFC und VCD an die Soziale Stadt und die IG Familien. Seine Idee: den Weg zu Fuß zur Schule wieder attraktiver machen und Kindern ermöglichen, ihren Schulweg gemeinsam und sicher zu erleben.

Bei den öffentlichen Treffen der IG Familien wurden zunächst die Gründe gesammelt, die für oder gegen einen Schulweg zu Fuß sprechen. Die Bilanz war eindeutig. Das Projekt Laufbus wurde gestartet, der Schulelternbeirat der Geschwister-Scholl-Schule konnte gewonnen werden und es folgten Gespräche mit Schulleiterin Christine Sturm.

Im Stadtteilbüro laufen seitdem die Fäden des Projekts zusammen. Gemeinsam mit ADFC, Sozialer Stadt, IG Familien, Schulelternbeirat, engagierten Eltern und der Stadtverwaltung wurden neun Treffpunkte entlang des Schulwegeplans festgelegt. Die Stadt Steinbach (Taunus) finanzierte die Haltestellenschilder und stellte diese auf.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte von Anfang an „Laufi“, das Laufbus-Maskottchen. Den auffälligen Stoffbus nähten Ursula Kitzinger von der IG Familien und Bengt Köslich gemeinsam. Bei zahlreichen Veranstaltungen in Steinbach war „Laufi“ bereits zu sehen und hat bei Kindern wie Erwachsenen für Begeisterung und Gesprächsstoff gesorgt.

Die Idee ist denkbar einfach: Kinder einer Wohngegend treffen sich zu einer festgelegten Uhrzeit an einer Laufbus-Haltestelle und gehen von dort gemeinsam zur Schule. Die Haltestellen sind damit eigentlich Treffpunkte. Ein echter Bus hält dort selbstverständlich nicht.

Wie bei einem Schulbus gibt es feste Haltestellen und Uhrzeiten. Zusätzlich besitzt jede Laufbus-Haltestelle ein eigenes Tiersymbol, das den Kindern die Orientierung erleichtert. Der Schulwegeplan zeigt die jeweiligen Routen.

Die neun Treffpunkte befinden sich an der TuS-Halle in der Obergasse, an der Kronberger Straße am neuen Kreisel, am Freien Platz, in der Herzbergstraße bei den Hochhäusern, in der Niederhöchstädter Straße, in der Kastanienstraße, im Thüringer Park, in der Berliner Straße an der Post sowie im Birkenweg.

Am Freien Platz wurde zusätzlich eine Bodenmarkierung angebracht.

Zu Beginn können Eltern die Kindergruppen begleiten. So lernen die Kinder gemeinsam ihren Schulweg und mögliche Gefahrenstellen kennen. Schritt für Schritt sollen sie den Weg dann zunehmend selbstständig zurücklegen.

Was sympathisch und spielerisch daherkommt, hat einen ernsten Hintergrund. Rund um die Geschwister-Scholl-Schule herrscht morgens ein hohes Verkehrsaufkommen. Nach Angaben der Schule besuchen derzeit rund 470 Schülerinnen und Schüler die Grundschule. Hinzu kommen drei Kitas in unmittelbarer Nähe. Damit bewegen sich morgens rund 800 Kinder in diesem Bereich – viele davon werden mit dem Auto gebracht. Zusätzlich sorgen unter anderem Liefer- und Baustellenfahrzeuge für Verkehr.

Beinahe-Unfälle, unübersichtliche Situationen und ein erheblicher Bringverkehr gehören zum morgendlichen Schulalltag. Der Laufbus soll dazu beitragen, den Autoverkehr vor der Schule zu reduzieren und damit den Schulweg für alle Kinder sicherer zu machen.

„Für Familien, die auf das Auto angewiesen sind, gibt es in Steinbach zudem drei sogenannte Kiss-and-Drop-Zonen in der Untergasse, der Stettiner Straße und am Saint-Avertin-Platz. Von dort können die Kinder zu Fuß weitergehen“, betont Bürgermeister Steffen Bonk.

Der gemeinsame Schulweg bietet den Kindern zahlreiche Vorteile. Bewegung und Gesundheit werden gefördert, die Kinder starten aktiv in den Schultag und können sich anschließend besser auf den Unterricht konzentrieren. Gleichzeitig treffen sie Freunde, schließen neue Freundschaften und werden selbstständiger und selbstbewusster.

Auch für die Eltern bringt das Konzept Vorteile. Durch die Arbeitsteilung beim Begleiten der Kinder können sie sich die Wege aufteilen und Zeit sparen. Parkplatzsuche und Stress im morgendlichen Autoverkehr entfallen. Gleichzeitig können Eltern sicher sein, dass ihr Kind nicht allein unterwegs ist.

Der Laufbus verbindet damit mehrere Ziele: mehr Bewegung im Alltag, mehr Sicherheit im Straßenverkehr, mehr Selbstständigkeit für die Kinder und weniger Autoverkehr vor der Schule.

Um das Projekt zum Schuljahresbeginn noch bekannter zu machen, ist auch „Laufi“ unterwegs. Das Laufbus-Maskottchen besucht jede der neun Laufbus-Haltestellen und läuft anschließend mit den Kindern zur Schule.

Weil „Laufi“ ein Stoffbus ist, braucht er dafür natürlich Unterstützung: Jeden Morgen dürfen fünf Kinder in den Stoffbus hineinschlüpfen und ihn auf dem Schulweg begleiten.

Die Termine entnehmen Sie dem Flyer auf der städtischen Homepage unter www.stadt-steinbach.de » Leben & Wohnen » Steinbach für… » Familien » Schulwegeplan.

Mit der offiziellen Einweihung ist das Projekt nicht abgeschlossen. Jetzt geht es darum, dass die Laufgemeinschaften wachsen und die Treffpunkte im Alltag mit Leben gefüllt werden.

Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die Klassensprecherinnen und Klassensprecher der Geschwister-Scholl-Schule. Sie tragen die Idee in ihre Klassen und machen weitere Kinder auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam.

Der Laufbus zeigt, wie aus einer Idee, bürgerschaftlichem Engagement und der Zusammenarbeit von ADFC, Sozialer Stadt, IG Familien, Schule, Eltern und Stadtverwaltung ein konkretes Angebot für Kinder und Familien entstehen kann.

„Ich wünsche mir, dass die neun Haltestellen bald ganz selbstverständlich zum Steinbacher Schulalltag gehören. Wenn morgens Kinder gemeinsam zu Fuß zur Schule unterwegs sind, ist das ein Gewinn für die Kinder, für die Eltern und für das gesamte Wohnumfeld“, betont Bürgermeister Steffen Bonk.

Gemeinsam laufen, sicher ankommen – der Laufbus in Steinbach ist gestartet.